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AbstractFR.22.08 Warum malte Rembrandt Star-Operationen? Wenzel M. Augenklinik Petrisberg, Trier Vor genau 100 Jahre veröffentlichte der Berliner Ordinarius Richard Greff im Enke Verlag eine Kulturhistorische Studie über Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung. Dabei stellte er fest, dass sich Rembrandt in seinen 8 Darstellungen der Heilung des Tobias nicht an den biblischen Text gehalten hat, sondern immer eine zeitgenössische Staroperation dargestellt hat. Im biblischen Text erlitt der alte Tobias eine Hornhautverätzung durch Vogelkot. Nach einigen Jahren heilte der Sohn seinen Vater, indem er die Augen mit Fischgalle einrieb und so die Narben entfernte. Der Erzengel Raphael hatte zuvor den jungen Tobias unterrichtet, wie er mit der Galle seinen Vater heilen könne. Greff und die Autoren, die später seine Beobachtungen bestätigten und wiederholten, vermutet in den Darstellungen von Staroperationen einen Fehler von Rembrandt. Dieser Fehler beruhe auf eine irreführenden Übersetzung in der Bibelausgabe von Martin Luther im Jahr 1543. Diese Kritik ist ungerechtfertigt. Luther erst hat mit der Bibelübersetzung das Wort Star in die deutsche Sprache eingeführt, und nach der Bibelübersetzung sollte Star eine Bezeichnung für eine Hornhautnarbe sein. Erst später, besonders seit der Herausgabe des Lehrbuches von Bartisch 1583, wurde das Wort Star in der Augenheilkunde eine Bezeichnung für die Katarakt. Rembrandt war ein tief religiöser Mensch. Wenn er sich bewusst war, dass der Star von Luther nicht identisch mit dem Star von Bartisch war, können die Bilder von Rembrandt auch als religiöses Bekenntnis gedeutet werden: Die Heilung des Tobias ist ein Übergang von einem Wunder zu einer schulmedizinischen Handlung. Ähnlich wird Rembrandt schon im 17. Jahrhundert die Wirkung von Staroperationen empfunden haben. Das Erbarmen Gottes ist nicht nur in Wundern durch Heilige zu erfahren, sondern auch in der Anwendungen von erlernbaren Therapien.
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