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AbstractSO.08.05 Chancen und Risiken der Anti-VEGF-Therapie Ziemssen F., Peters S., Heiduschka P., Grisanti S., Schraermeyer U., Bartz-Schmidt K. U. Universitäts-Augenklinik Tübingen Der vascular endothelial growth factor (VEGF) besitzt eine Schlüsselrolle für die Regulation der Angiogenese. Weil VEGF auch physiologische Abläufe wie Hämodynamik, Gefäßstruktur, Hämatopoese, Immunabwehr, Hormonfreisetzung und Wundheilung beeinflusst, müssen mögliche Interaktionen einer medikamentösen Hemmung berücksichtigt werden. Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass selbst nach intravitrealer Injektion eine systemische Exposition erreicht wird, die zu manifesten Effekten führen kann. Die wachsenden Erfahrungen mit der höher dosierten, intravenösen Gabe des Vollantikörpers Bevacizumab (Avastin®) haben das Augenmerk auf mögliche Nebenwirkungen durch die Hemmung aller VEGF-Isoformen gelenkt. Die Veränderung hämodynamisch relevanter Kreislaufparameter lässt eine direkte Beeinflussung der Morbidität befürchten. Bisherige Zulassungsstudien waren nicht darauf angelegt und lassen daher nicht zu, die Signifikanz und Relevanz systemischer Ereignisse zu beurteilen. Die Regulation der retinalen Perfusion zeigt in Folge einer Anti-VEGF-Therapie einen veränderten Tonus der Netzhautgefäße. Die physiologische Fenestrierung der Choriocapillaris ist im Tiermodell unter VEGF-Inhibition signifikant reduziert. Mögliche Auswirkungen auf die lokale Sauerstoffversorgung in ischämischen Netzhautarealen (Gefäßverschlüsse) sowie eine medikamentöse Induktion von Rezidiven im Rahmen der neovaskulären Makuladegeneration können für den klinischen Alltag nicht ausgeschlossen werden. In der Therapie retinaler Neovaskularisationen versprechen die VEGF-Inhibitoren gegenüber destruktiven Therapieverfahren (Laserkoagulation, Kryogulation) ein schnelles Ansprechen und weiteren Funktionserhalt (Gesichtsfeld). Die Ausreifung neovaskulärer Gefäße (Perizyten) und die sekundäre Formation von Membranen limitiert den Zeitpunkt, zu dem eine medikamentöse Behandlung indiziert ist. Ein gewissenhafter Einsatz erfordert auch eine kritische Abgrenzung der exsudativen Veränderungen, die kein oder nur unzureichendes Ansprechen auf eine Anti-VEGF-Therapie zeigen.
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