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Abstract

SA.25.05

Operative Behandlung: Augenmuskeln

Esser J.
Universitätsklinikum Essen, Zentrum für Augenheilkunde

Voraussetzung für Augenmuskelchirurgie bei endokriner Orbitopathie ist das Vorliegen des chronisch-fibrotischen Stadiums. In der floriden Phase (hoher clinical activity score) steht die anti-entzündliche Therapie (u.a. systemische Kortikoide, Orbitabestrahlung) im Vordergrund.
Die Therapie der Wahl ist die Rücklagerung des fibrosierten und schlechter dehnbaren Muskels (meist M. rectus inferior und/oder M. rectus medialis). Die Tabelle gibt Dosierungsempfehlungen (Dosis-Wirkungs-Koeffizienten für Muskelrücklagerungen).

OPERATION Medialis RücklagerungInferior Rücklagerung
einseitig 1,70±0,4°/mm----
einseitig ----1,98±0,4°/mm
beidseitig1,58±0,4°/mm----
einseitig kombiniert1,84±0,6°/mm2,10±0,5°/mm
beidseitig kombiniert1,67±0,4°/mm2,50±1,2°/mm

Bei Horizontalabweichungen von ³10° sollten beidseitig Rücklagerungen der Mm. recti mediales vorgenommen werden, wobei die Seitenverteilung der Rücklagerungsstrecken entsprechend dem jeweiligen Abduktionsmaximum erfolgt (1). Bei Vertikal-Abweichungen ohne Kopfzwangshaltung genügt eine Rücklagerung des M. rectus inferior (Ausnahme: bei sehr großem Winkel [>15°]: zusätzlich Rücklagerung des kontralateralen Rectus superior). Dies gilt auch für eine Vertikal-Abweichung mit Kopfhebung, die nach Okklusion des schlechter hebenden Auges verschwindet. Bei einer Vertikal-Abweichung mit Kopfhebung, die nach Okklusion des schlechter hebenden Auges bleibt, ist eine beiderseitige (asymmetrische) Rücklagerung der Mm. recti inferiores erforderlich. Bei kombinierten Vertikal- und Horizontal-Abweichungen ist ein einzeitiges Vorgehen möglich, wobei hierbei niedriger dosiert werden muss (2). Kleine Vertikalwinkel verschwinden häufig durch große horizontale Rücklagerungsstrecken und vice versa. Nach Orbitadekompression finden sich niedrigere Dosis-Wirkungs-Koeffizienten, so dass hier höhere Dosierungen angesetzt werden müssen, ggf. eine Sehnenverlängerung mit Interponat.
Falls zudem Lid- oder Orbita-Eingriffe geplant sind, ist unbedingt die Reihenfolge zu beachten: eine Oberlidretraktion wird durch eine Rücklagerung des. M rectus inferior häufig überflüssig. Bei Unterlidretraktion und Übereffekt sollte erst eine Rectus-inferior-Wiedervorholung und dann eine Unterlidverlängerung durchgeführt werden. Ist eine Orbitadekompression geplant: erst Dekompression, dann Augenmuskel-OP.
(1) Esser J, Eckstein A: Ocular muscle and eyelid surgery in thyroid-associated orbitopathy. Exp. Clin. Endocrinol. Diabetes 107 Suppl. 1 (1999) 214-221
(2) Eckstein A, Schulz S, Esser J: Ist eine kombinierte vertikale und horizontale Augenmuskelchirurgie bei der endokrinen Orbitopathie (EO) empfehlenswert? Klin. Monatsbl. Augenheilkd. 221 (2004) 769-775

 
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