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Abstract

SO.12.06

Kognitive Einbußen bei spät erworbener Katarakt durch Blaulichtverluste?

Gerstmeyer K.1, Lehrl S.2, Bleich S.2
1Augenklinik Klinikum Minden, Minden, 2Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen

Ziel: Blaulicht erhöht die Wachheit und dadurch die kognitive Leistungsfähigkeit (Gerstmeyer et al., 2007). Mit zunehmender Linsentrübung mindern sich die Durchlässigkeit von Licht, insbesondere Blaulicht, und die aktuelle geistige Leistungsfähigkeit. Durch IOL-Implantation können die kognitiven Leistungsminderungen teilweise oder manchmal sogar vollständig rückgängig gemacht werden (Gerstmeyer & Lehrl, 2004). Woran liegt diese Restitution? Könnte Blaulicht eine wesentliche Rolle spielen?
Methode: Nachanalyse vorliegender Daten aus einem Feldexperiment mit 44 Probanden im Alter von 17 bis 79 Jahren (Md 63,5 Jahre; 27 weibl.) zum Einfluss von Blau- und Gelblicht auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit wurde als Indikator der aktuellen geistigen Leistungsfähigkeit gewählt.
Ergebnisse: Die Korrelationen nullter Ordnung zeigen zwischen dem Alter und der Wachheit positive und mit der kognitiven Leistungsfähigkeit negative Zusammenhänge. Die Einflüsse von Blau- gegenüber Gelblicht lassen keine eindeutigen Beziehungen erkennen. Trennt man faktorenanalytisch (Hauptkomponentenanalyse mit Rotation nach dem Kaiser-Kriterium) andere Einflüsse wie interindividuelle Niveaus der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit oder den blaulichtabhängigen Wachheitsgrad heraus, dann bleibt ein starker Faktor mit folgenden Zusammenhängen übrig: Mit zunehmendem Alter wird der Wachheitsgrad der Probanden mehr vom Gelb- und Weißlicht als vom Blaulicht beeinflusst. Außerdem besteht eine Tendenz der Älteren, unter Blaulicht die kognitive Leistungsfähigkeit nicht so zu steigern, wie es für die Jüngeren zutrifft.
Schlussfolgerungen: Die mit zunehmendem Alter sich erhöhende Neigung der Augenlinsen, Blaulicht zu filtern, könnte die wichtigste Ursache bei Katarakt sein, die zu Wachheits- und kognitiven Leistungsminderungen und damit zum Verlust an Lebensqualität führt. Wären mehr jüngere Probanden in der Studie gewesen, hätte sich dieser Effekt wahrscheinlich noch deutlicher gezeigt.

 
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