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Abstract

SO.06.06

Amnionmembrantransplantation bei aktiver Herpeskeratitis: Erfolgreiche Entzündungshemmung vor elektiver perforierender Keratoplastik

Spelsberg H., Reichelt J.
Augenklinik, Universitätsklinikum Düsseldorf

Ziel: Beim aktiven Herpesulkus steht mit Aciclovir ein potentes Virusstatikum zur Verfügung, welches in adäquater systemischer und lokaler Dosierung zusammen mit niedrig-dosierter Gabe von Steroiden zu guter Abheilung führen kann. Bei erheblicher einschmelzender Begleitentzündung ist jedoch in manchen Fällen eine Keratoplastik à chaud vonnöten, die ein hohes Herpesrezidiv- und Abstoßungsrisiko birgt. Der entzündungshemmende Effekt der Amnionmembrantransplantation, der sich bereits bei anderen entzündlichen Ulzera bewährt hat, soll in dieser retrospektiven Fallserie mit schweren Herpesrezidiven untersucht werden.
Methode: Bei 12 Augen von 12 Patienten mit klinisch eindeutigem, entzündlich hochaktivem Herpesulkus ohne ausreichende Heilung unter Aciclovir wurde eine Amnionmembrantransplantation indiziert. Bei 10 von 12 Augen war die PCR aus dem cornealen Epithel für HSV 1 positiv. Bei den zwei anderen Augen war eine PCR negativ und eine nicht durchgeführt worden. Bei der Operation wurden Ulkusrand und -grund zunächst mit dem Thermokauter großzügig gesäubert. Dann wurde ein konserviertes getrimmtes Amnionmembranstück in den Defekt eingelegt und mit Einzelknüpfnähten fixiert. Peri- und postoperativ erhielten die Patienten Aciclovir systemisch (4000 mg für eine Woche, 2000mg für 2 Wochen) sowie Gentamicin-Augensalbe lokal.
Ergebnisse: Bei 9 von 12 Patienten (75%) kam es im Mittel nach 25 Tagen zum Epithelschluss und zu einem klinisch deutlichen Rückgang der Entzündung. Bei den anderen drei Patienten musste bei ausbleibender Entzündungshemmung nach im Mittel 31 Tagen eine Keratoplastik à chaud indiziert werden. Der vor Operation ohnehin schon schlechte Visus stieg erwartungsgemäß nach Amnionmembrantransplantation nicht an.
Schlussfolgerungen: Das bekannte entzündungshemmende Potential der Amnionmembran bewirkt eine Beruhigung der entzündlichen Situation beim Herpesulkus, wenn sie rechtzeitig transplantiert wird. Eine ansonsten notwendige Keratoplastik à chaud kann vermieden werden. Dies ermöglicht die Planung eines elektiven Eingriffs mit besserer Prognose zu einem späteren Zeitpunkt.

 
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