DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft 105. DOG-Kongress
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Abstract

P 066

Wenn sonst nichts mehr hilft?! „Sex and drugs and alcohol“ – alternative Therapiansätze bei einer Akkommodations-Konvergenz-Parese

Sturm V.1,2, Niemüller I.2, Berger R.2
1Augenklinik, UniversitätsSpital Zürich, 2Augenklinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Ziel: Bei Akkommodations-Konvergenz-Paresen (AKP) handelt es sich häufig um funktionelle, gelegentlich auch neurologische Störungen bei Erkrankung des dorsalen Mittelhirns (Infarkt, Blutung) und Parkinsonismus.
Sie treten auch als Folge von Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, Botulismus aber auch bei chronischem Alkoholismus auf. Typische Therapiansätze bei fehlender eindeutiger Assoziation sind die Versorgung mit einem Nahzusatz und Prismenkorrektur. Auch ein Beüben der Akkommodation und Konvergenz ist verbreitet. Leider sind Therapieversuche oftmals frustran.
Wir möchten zeigen, dass es sich gelegentlich lohnen kann, auch jenseits etablierter Therapien nach Alternativen zu suchen.
Methode: Wir stellen eine 25jährige Patientin mit einer hartnäckigen AKP in einer longitudinalen Analyse über zehn Jahre vor. Eine rein optische Rehabilitation wie auch eine Augenmuskelchirurgie bei dekompensierender Exophorie brachten allenfalls eine temporäre Besserung.
Gestützt auf subjektive Beobachtungen der Patientin während der Adoleszenz, die eine Besserung der Symptomatik sowohl nach mässigem Alkoholkonsum als auch nach sexuellen Aktivitäten berichtete, versuchten wir unter stationären Bedingungen, den „therapeutischen Alkoholgenuss“ zu reproduzieren.
Darüber hinaus wurde sie bezüglich der Wirkung alkoholfreien Biers und eines als „chemischen Alkohol“ dargebotenen Plazebos untersucht; ebenso wurde Propanolol als chemischer Alkohol erprobt.
Ergebnisse: Verblüffenderweise liess sich die AKP mit 0,2 l Bier kurieren. Die Wirkung hielt ca. 6 h an. In abgeschwächter Form galt dies auch für die alkoholfreie Alternative und das in niedriger Dosierung von 40 mg verabreichte Propanolol. Die Applikation des Placebos zeigte keine Wirkung.
Schlussfolgerungen: AKP sind häufig hartnäckig und Therapieversuche oftmals frustran. Die typische funktionelle Komponente und der hohe Leidensdruck rechtfertigen alternative Behandlungskonzepte. Im Einzelfall lässt sich die Symptomatik sowohl mit geringen Mengen handelsüblichen Alkohols (Bier) als auch in pharmazeutischer Darreichungsform (Propanolol) kurieren, entgegen der bekannten Verschlechterung nach grösseren Alkoholmengen.

 
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